Vorstoß zum Autoritarismus in Ungarn

zuerst veröffentlicht auf YouthReporter

Seit dem 11. März 2020 gilt in Ungarn der Ausnahmezustand. Verlängert das Parlament den Ausnahmezustand nicht, so ist er nach 15 Tagen wieder aufgelöst. Die Fidesz-Regierung will einen Gesetzesentwurf einbringen, der der Regierung diese und andere Entscheidung aneignet.

Judit Varga, Justizministerin im Kabinett Orbáns, hat ein Gesetzesentwurf im Parlament eingebracht, der auf viel Kritik gestoßen ist. Der Gesetzesentwurf beinhaltet, dass die Regierung den Ausnahmezustand ohne Zustimmung des Parlaments verlängern, per Dekret die Anwendung bestimmter Gesetze aussetzen, außergewöhnliche Maßnahmen für die Stabilität des Landes einsetzen kann und bestimmte Vorgaben nicht eingehalten werden müssen. Weiters sollen Strafen eingeführt werden, wenn Maßnahmen gegen die Ausbreitung von SARS-CoV2 nicht eingehalten werden oder in einer Art und Weise darüber berichtet wird, die Angst erzeugt. In der Abstimmung, ob der Gesetzesentwurf außerordentlich auf die Tagesordnung des ungarischen Parlaments kommt - und damit über den Entwurf abgestimmt wird - hat sich die Opposition geschlossen die Zustimmung verweigert, damit wurde die nötige 4/5tel-Mehrheit nicht erreicht. Der Entwurf kann nächste Wochen nochmals eingebracht werden, dann wird eine 2/3-Mehrheit ausreichen, die Fidesz selbst stellen kann.

Der Entwurf wird besonders dahingehend kritisiert, dass die Macht des Parlaments ab- und die Macht der Regierung aufgebaut wird und damit das Kräftegleichgewicht der Gewaltenteilung gestört wird und zweitens wird es als Angriff auf die Pressefreiheit bewertet.

Die Kritik am Entwurf bezüglich der Kompetenzerweiterung der Regierung ist schnell begründet: Einige Parlamentarier befürchten die Demontage des Parlaments und die Zentrierung bei der exekutiven und legislativen Macht bei der Regierung, respektive Viktor Orbán, bis hin zu der Einschätzung eines Parlamentariers der rechten Jobbik-Partei, Orbán wolle Wahlen aussetzen und sich lebenslang als eine Art Monarch installieren. Diese Stimmen aus der Opposition werden von Orbán wiederum kritisiert, in dieser Notzeit nicht zusammenarbeiten zu wollen, und damit die Bevölkerung und das Gesundheitssystem im Stich zu lassen. Er argumentiert, das Parlament habe nach dem Gesetzesentwurf jederzeit die Möglichkeit, den Ausnahmezustand zu beenden.
Die Einschränkung der Meinungsfreiheit war bereits im Oktober 2018 ein Grund für die Einleitung eines Artikel-7-Rechtsstaatverfahrens gegen Ungarn. Wie z.B. Peter Klien hier auf humoristische Art und Weise zeigt, entsteht in Ungarn ein Medienmonopol, das Herrn Orbán sehr nahe steht. Kritische Journalisten werden in den angehörigen und auflagenstärksten Medien nicht geduldet, kritische Meldungen werden von Seiten der Regierung stark kritisiert und als unehrlich und falsch informiert bezeichnet, genauso auch als "Aufwiegler". Die Gesetzesvorlage sieht Strafen für angstschürende Berichterstattung vor, was wiederum kritische Journalisten als Bedrohung wahrnehmen. Regierungsnahe Seiten, wie z.B. die Informationsplattform abouthungary.hu, veröffentlichen bereits jetzt, besonders auf ihren Social-Media-Kanälen, Kritiken und Diffamierungen gegen Journalisten, die sich gegen den Gesetzesentwurf positionieren. Das kann besonders kritisch gesehen werden, da besonders abouthungary.hu als offizielle englischsprachige Informationsplattform des Ministerkabinetts gilt und damit nicht-Ungarischsprechende darauf angewiesen sind.

Der Zeitpunkt ist für Orbán gut gewählt, denn während seine Regierung respektable Maßnahmen- und Hilfspakete für die Wirtschaft schließt und damit im Ländervergleich besonnen zu reagieren scheint, ist die Bevölkerung längst nicht so ruhig. Viele Bürger*Innen übertreffen die Maßnahmen, die von der Regierung angeordnet oder empfohlen werden, selbst am Vormittag sind selbst größere Städte wie Pécs, ausgestorben, obwohl die Regierung noch vor zwei Tagen klargestellt hat, dass sie zum momentanen Zeitpunkt Ausgangssperren nicht für notwendig hält. Es wirkt so, als würde, auch aus der internationalen Berichterstattung und der Tragödie in Norditalien, die Konformität mit der Begründung des Schutzes der Gesellschaft und der Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems, enorm steigen. Zusätzlich liegt die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit wohl eher bei den Maßnahmen zu SARS-CoV2, die Bürger direkt betreffen. Diesbezüglich nutzt Viktor Orbán auch die gute Presse durch bisherige besonnene Maßnahmen, wenn der Gesetzesentwurf nächste Woche durch Fidesz-Parlamentarier durchgewunken wird - da klingt der Vorwurf des "Einparteiensystems mit demokratischen Elementen" gerechtfertigt.

Diese Vorstöße gibt es natürlich nicht nur Ungarn, auch in Isreal gibt es heftig kritisierte Bestrebungen des dortigen Premierministers, Benjamin Netanjahu. Auch sonst gibt es, schon lange, viele Unruhen: In Spanien wird gegen den Alt-König protestiert und Deutschland steht bald ein neuer Kanzler bevor, in Frankreich wird gegen Pensionsreformen protestiert. Der Spiegel fragt also zurecht, wie die Welt nach der Pandemie aussehen wird.

Quellen:

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-orban-will-sich-regieren-per-dekret-absegnen-lassen-a-a8f65012-74e3-4b0c-a1ab-cfe627742c55
https://www.tt.com/artikel/16790522/ungarn-keine-mehrheit-fuer-notlagengesetz-im-parlament
https://ungarnheute.hu/news/keine-mehrheit-fuer-ermaechtigungsgesetz-im-parlament-36444/
https://www.europarl.europa.eu/news/de/agenda/briefing/2020-01-13/4/rechtsstaatlichkeit-in-ungarn-und-polen-fortschritt-der-artikel-7-verfahren
https://twitter.com/zoltanspox
https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/coronavirus-israel-benjamin-netanjahu-benny-gantz-regierungsbildung-opposition
https://kurier.at/stars/coronavirus-spaniens-alt-koenig-soll-schmiergeldvermoegen-spenden/400786133

Alltägliches in Ungarn

Ungarn ist ein zentraleuropäisches Land mit knapp unter 10 Millionen Einwohnern, die Ungarisch sprechen, in Forint (HUF) zahlen und durch eine parlamentarische Republik organisiert ist. Hauptstadt ist Budapest, und nachdem Ungarn eher zentralistische organisiert ist, sehr wichtig.

Das Konzept von Ungarn startet ungefähr um 1000 nach Christus mit dem Königreich Ungarn und seinem ersten König, Stefan I. (I. Istvan), der mit der bayrischen Gisela verheiratet war. Weitere wichtige Punkte sind der Mongolensturm im 13. Jahrhundert, die Fremdbeherrschungen durch die Osmanen (16 - 17. Jahrhundert) und Habsburger (16. - 19. Jahrhundert, gegen die 1848 revoltiert wurde, 1867 der Ausgleich zur k.u.k.-Monarchie). Nach dem ersten Weltkrieg verlor Ungarn zwei Drittel der Fläche ("Vertrag von Trianon"), im zweiten Weltkrieg war Ungarn mit Deutschland verbunden ("Horthy-Regime"), es folgt das sozialistische Ungarn (gegen das 1956 revoltiert wurde), das nach längerer Vorbereitung mit der Wende 1989 fällt. Die Regierung heute funktioniert wie die meisten europäischen Demokratien mit Parlament, Ministern, Staatspräsident, Gewaltenteilung etc.

Bekannte Regionen des heutigen Ungarns sind der Balaton (Plattensee) und Umgebung, das eher industrielle Südungarn, Debrecen und der Horthobágy-Nationalpark, der in der "Puszta" liegt und das bergigere Nordungarn. Nicht mehr zu Ungarn gehört z.B. Siebenbürgen und Teile des Banats (heute Rumänien), innere Teile Kroatiens (heute Kroatien und Slowenien), Wojwodina (heute Serbien) u.a., in den Nachbarländern, besonders in diesen Gegenden, gibt es ungarische Minderheiten.

Geld & Einkaufen 

Ein Euro sind ca. 330 Forint (Stand Anfang 2020), die überall an Bankomaten abgehoben werden können, Wechselstuben gibt es auch viele. Vertrauenswürdige Bankomaten, die nicht zu viele Spesen abziehen, sind z.B. von der Bank OTP, Erste Bank und Sparkassa oder der Raiffeisenbank. Besonders in touristischen Zonen, aber auch bei größeren Supermärkten, kann auch in Euro bezahlt werden, Wechselkurs ist dann angeschrieben, Rückgeld gibt es in Forint.

Es gibt neben den Supermarktketten aus Deutschland (Lidl, Aldi, Penny, Spar) auch kleine Märkte (oft "ABC") und überall auch Wochenmärkte. In Budapest gibt es viele kleine Märkte, die 24 Stunden am Tag geöffnet haben, genauso wie große Einkaufszentren mit großzügigen Öffnungszeiten (Corvin Negyed, Plaza, Westend…). Der Deutsche erkennt speckige / hartkochende Kartoffeln an der Kategorie "A", "B" bedeutet halb-halb, "C" sind mehlige Kartoffeln. Ungarn stehen wahnsinnig auf Sauerrahm ("Tejföl"), Süßrahm ("Tejszin") gibt es meist nicht im Kühlregal, sondern als Kochrahm ("Fözötejszin") an komischen Orten. Ansonsten sind Supermärkte ähnlich organisiert wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Zigaretten können nur in "nationalen Rauchgeschäften" (Nemzeti Dohanybolt) gekauft werden, die mittels eines großen Zeichens, meist mit einer 18 in der Mitte, gekennzeichnet sind - es dürfen nämlich nur Personen über 18 in das Geschäft eintreten, es wird streng kontrolliert.

Sprache & Kontakt 

Ungarn sprechen Ungarisch, die Sprache unterscheidet sich stark von den anderen europäischen Sprachen und wird daher selten gelernt. Sollte jemand doch versuchen, Ungarisch zu sprechen, freuen sich die Meisten darüber. Lernen geht über verschiedene Sprachlehrbücher und -kurse, es gibt einen Kurs auf Duolingo, für die Europäischen Freiwilligen gibt es einen OLS-Kurs bis zum Niveau A1. Auf dieser Wikipedia-Seite (klick) sind die hilfreichsten Phrasen aufgelistet

Die Menschen hier sind wirklich sehr hilfsbereit, höflich und freundlich, aber auch sehr distanziert. Körperkontakt ist eher ungewöhnlich und auch die Integration, oder soziale Interaktion ohne konkretes Anliegen, gestaltet sich mitunter eher schwierig. Ausnahmen bestätigen die Regel.
SIM-Karten gibt es zuhauf von Telekom, Vodafone u.a. Die Vorwahl Ungarns ist +36, dann gibt es zusätzlich eine zweistellige regionale Vorwahl (z.B. 06 für Budapest). Wird die internationale Vorwahl gewählt, wird die regionale Vorwahl ganz weggelassen, nicht nur die 0! Von einer ungarischen Telefonnummer aus, die eine andere ungarische Nummer anwählt, kann einfach mit der Regionalvorwahl begonnen werden.

Medizinische Versorgung

Wie überall, gibt es Krankenhäuser, Hausärzte, Fachärzte und Apotheken. Wer nicht privat versichert ist oder wirklich einen Notfall hat, tut sich am leichtesten, direkt in die Apotheke zu gehen. Es sei denn, natürlich, man kennt jemanden, der jemanden kennt.

Die Hausärzte sind nur jeweils für bestimmte Adressen zuständig, d.h. wer eine Niederlassung in Ungarn hat, sollte herausfinden, wer für ihn zuständig ist. Diese können dann zu Fachärzten überweisen. Daneben gibt es auch Notfall-Hausarztambulanzen, es sollte in einer Region 24 Stunden ein Hausarzt erreichbar sein. In die Krankenhausambulanz sollte man nur mit Notfällen. In Budapest gibt es zusätzlich Gesundheitszentren pro Bezirk, dort sind viele Fachärzte an einem Ort, oft auch die Hausarztambulanz. Die Wartezeiten sind so ziemlich überall, auch für Einheimische, lange.

Für Personen, die über die Europäische Krankenversicherung oder Cigna (Europäischer Freiwilligendienst) versichert sind, gilt: zu Ärzten gehen, die einen Kassenvertrag haben, die ungarische staatliche Krankenkassa heißt NEAK.

Kecskemét

Bei der Information, man besuche Kecskemét (als Tourist), wird meist die Frage nach dem „Warum?“ gestellt. Es ist klein (110.000 Einwohner, keine Uni), es gibt nicht viele Sehenswürdigkeiten und auch sonst ist nicht allzu viel los. Die Stadt ist gut erreichbar, sie liegt zwischen Budapest und Szeged, beide Städte sind in ca. einer Stunde mit dem Zug erreichbar.

Trotzdem ist es großartig. Der Reiz der Stadt liegt nämlich im Bau und der Gestaltung öffentlichen Raums. Der Verkehr im Stadtkern ist kaum merklich, die aufwändig begrünten Promenaden und Alleen nehmen auch deutlich mehr Platz ein als die zweispurige Straße. Im Zentrum kommt man leicht von einem Park in den nächsten, beim Freiheitsplatz (sabadság tér) gibt es auch gute Möglichkeiten für Kaffee und Sandwiches (Weißbrot mit Butter, Belag und Käse überbacken). Dazu gibt es beim Deák Férenc tér vor der Kirche mehrere nette Spielereien: Brunnen bzw. ein Wasserspiel (wie in jeder ungarischen Stadt), eine Entfernungskarte, in der europäische Hauptstädte und Partnerstädte eingezeichnet sind, ein Marterpfahl u.Ä. Auch weiter außerhalb gibt es schöne Spaziermöglichkeiten, bis hinaus zum Friedhof zur hl. Dreifaltigkeit (szentháromság temető).


Nun gibt es diese schönen Spaziermöglichkeiten, und es gibt auch einen guten Grund, durch Kecskemét zu spazieren: Die Häuser. Die Stadt ist voll von Jugendstilbauten, aber auch anderen Kuriositäten und Besonderheiten. Das Stadtbild ist nicht einheitlich (bis auf eine Gegend mit stalinistischen Wohnhäusern), aber überraschend, ein Kuriositätenkabinett sozusagen. Es beginnt beim cifra palota, einem Bau der ganz und gar dem Jugendstil gewidmet ist, innen wie außen bunt und besonders in der Gestaltung (ein Blick nach innen gibt die Sicht auf eine ausgezeichnete kleine Ausstellung frei, der Palast ist nämlich ein Museum für Künstler der Region des 20. Jahrhunderts plus Wanderausstellungen. Damit kann man auch den Pfauensaal besichtigen). Es geht weiter mit der alten Synagoge (restauriert, damit ist die Fassade bei Schönwetter blendend weiß), dem klassizistischen Bau, in dem heute u.a. das Tourismuszentrum beherbergt ist, dem Katona József Gimnázium, eine Verrücktheit zwischen Backstein und Jugendstil gegenüber einem frei zugänglichen Rosengarten und so fort – zwischen Innenstadt und Bahnhof gibt es zudem eine Straße, die gelb gepflastert ist (Achtung, rutschig!). Auch Privathäuser vermögen es, zu überraschen: mit Fließen gestaltete Außenwände (natürlich ganz im Farbkonzept), eine Holzbrücke, die zwei Häuser im ersten Stock verbindet oder Kreatives mit Ziegeln.


Man kann in der Stadt auch ausgehen. Neben einem rustikalen, traditionsreichen Gasthaus (gute Küche und überraschend junge Karte) am Nordrand der Innenstadt gibt es auch einige Bars. Daneben gibt es noch dem Freizeitpark im Nordosten (szabadidőpark). Ein besonderes Stück in Kecskemét ist allerdings das otthon mozi és kávézó, Mitglied der Europa Cinemas, d.h. es werden auch kleine Produktionen, Kunstfilme und Filme in OmU gezeigt, was hierzulande wirklich nicht selbstverständlich ist.

Kecskemét hat Tradition. Die Siedlung an sich ist sehr alt und hat immer wieder Zeit zum Florieren gefunden. So hat die Ansiedlung Deutscher in Ungarn nach der Türkenbelagerung zum Aufschwung der Landwirtschaft geführt (Getreideanbau statt Weidewirtschaft), was wiederum zu Vermögen und damit zu den prächtigen Jugendstilbauten geführt hat. Die meisten Gebäude sind maximal 100 Jahre alt, da es um 1911 ein vielvernichtendes Erdbeben gab (mehr auf dem Wiki-Artikel). Es gibt, wie fast überall am ungarischen Land, ein ordentlich ausgeprägtes Kunsthandwerk, hier sind es Keramiken.

Öffentlicher Verkehr - Bester Verkehr

Ich habe weder Auto noch Führerschein, was sich im Alltag in der Stadt weder in Österreich noch in Ungarn als Fehler erweist. Allerdings wär's schon praktisch wenn es um Umzug oder Möbelkauf oder ähnliche Großprojekte geht. Nun bin ich Ungarn und brauchte Schreibtisch, Stuhl und Lampe, meine Bezugspersonen hier sind gerade auf Urlaub - und trotzdem habe ich es geschafft, alles vom IKEA in Budaörs in die Balatonregion zu bringen. Mein besonderer Dank gilt:

...der BKK 

(Link) Der Budapester Nah- und Umkreisverkehr ist mittels Bussen, Straßenbahnen und vier U-Bahn-Linien organisiert. Tickets für so ziemlich alles bekommt man an Automaten, die an den meisten Haltestellen stehen, oder in den Informationsbüros an den wichtigsten U-Bahn-Stationen. In diesem Fall ein Dankeschön an die freundliche Mitarbeiterin beim Mórics-Zsigmond-Körtér, die mir am Sonntag um acht Uhr früh halb auf Englisch, halb auf Ungarisch den Umkreisverkehr erklärt hat. Dazu: Wer nach Budaörs oder andere Budapester Vororte will, braucht ein zusätzliches Vorort-Ticket, dass es aber auch bei Automaten unter "andere Tickets" > "Einzeltickets" gibt. Dank auch an den Busfahrer, der mich vollbepackt mitgenommen hat (nicht selbstverständlich, es ist schließlich "Personen"-Nahverkehr.

Zur BKK gibt es auch eine äußerst nützliche App, neben der Fahrplanung zeigt sie auch genau an, wo sich die einzelnen Busse/Straßenbahnen/... gerade befinden, sie bietet somit auch exakte Verspätungsmeldungen mit wahrscheinlicher Ankunftszeit. Daneben können auch die nächsten Abfahrten einzelner Haltestellen angezeigt werden. Auf der Homepage sind die meisten Inhalte auch auf Englisch verfügbar.

...Volán-Busz

(Link) Volánbusz betreibt die Langstreckenlinien. Die Homepage ist etwas tricky: Grundsätzlich auf Englisch vorhanden, allerdings weniger umfangreich. Geht man auf "Timetable" > "Inter Urban Services" > "Lines" werden zwar alle Linien angezeigt, geht man aber auf das Ungarische "Menetrend", können die Linien auch einzelnen Ziel- / Abfahrtsorten sortiert werden. Ein praktische Funktion der Seite ist die individuelle Fahrplanerstellung. Bei der Anzeige der Linien nach Nummern gibt es rechts einen Plus-Button, alle gewünschten Linien so hinzufügen und dann bei der Englischen Seitenversion unter "Timetable" > "Inter Urban Services" > "Timetable Booklet" alles zusammen als PDF downloaden. Die telefonische Serviceline hingegen ist nutzlos. Mein Dank gilt insbesondere dem freundlichen Busfahrer, der mir sofort alles abgenommen und ordentlich verstaut hat.

...dem stadteigenen Busunternehmen

Sie haben dieselbe App wie die BKK, bloß eben für mein Städtchen. Auch hier gab's keine Probleme mit dem Busfahrer, einige ältere Fahrgäste haben wasauchimmer gemeckert, aber damit muss man wohl oder übel leben ;) Hier sind die Busse auch nochmal etwas sauberer als in Budapest und wie erwartet, da die Stadt kleiner ist, weniger Menschen und weniger Menschen mit unangenehmen Körpergerüchen.


Gruppen-Jugend-Trainings

Die dritte Woche dieses Auslandsaufenthaltes bestand aus dem "On-Arrival-Training". Es treffen dabei alle Freiwilligen im jeweiligen Land zusammen, die einen Langzeitauslandseinsatz absolvieren und innerhalb der letzten Zeit angekommen sind. Das ist recht variabel, da es verschiedene Längen der Einsätze gibt und realistischerweise Leute kommen und gehen, wenn auch die meisten Freiwilligen im September beginnen und für zehn bis zwölf Monate im Land bleiben.

Das Treffen wird von Trainern und einem gepackten Programm angeleitet. In meinem Fall waren es drei Trainer, zwei Ungarinnen und ein emigrierter Italiener. Wir waren 25 Freiwillige und bunt gemischt: aus Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich mit mir, Finnland, Russland, Armenien (Partnerstaaten!), Rumänien bzw. Transsylvanien, Tschechien und Estland.

Der erste Tag wurde zum Ankommen und für obligatorische Kennenlernspiele genutzt und es wurde recht schnell klar, dass die Gruppe insgesamt sehr harmonisch ausgerichtet ist. Die Gruppe ist groß und es braucht besonders dann gewisse Regeln bzw. Vereinbarungen, damit es friedlich bleibt, da alle die Schule bereits absolviert hatten, ist das auch allen (unbewusst) klar.


Ab dem zweiten Tag begann das eigentliche Programm: ESC und die einzelnen Akteure, "Learn to learn" und Zielbildung, Ressourcen, Kommunikation und Konflikt, Projektmanagement und das Mini-Projekt , Selbstreflexion - als grober Überblick. Nun will ich das nicht weiter ausführen, denn für mich persönlich gab es nicht viel Neues, da ich durch meine Ausbildung und meinen restlichen Lebenslauf (a) schon in vielen Trainings-Settings war und damit die Lernspiele und andere Methoden schon recht gut kannte, (b) in Selbstreflexion durchaus geübt bin und (c) die abgehandelten Themen in Schule und in früherer Berufserfahrung schon intensiv bearbeitete hatte. Damit blieben die ESC-spezifischen Inhalte organisatorischer Natur, die ich allerdings durch genaues Studium meines "Activity Agreements" und der ESC-Rahmenbedingungen, wie auch durch das "Pre-Departure-Training" in Österreich und Gespräch mit meiner "Sending / Supporting Organisation" bereits kannte. Hat man allerdings nicht diesen Lebenslauf etc. und kommt, wie die meisten Freiwilligen, frisch aus einer allgemeinbildenden Schule, ist das Programm sehr dicht und sehr intensiv.

Zur Intensität des Programmes kommt die Intensität des Settings: Einen Haufen neue Menschen, von denen der Großteil gutes Englisch spricht, aber dennoch nicht die Muttersprache (in meinem Fall dann doch). Zwei Wochen in einem neuen Land, also noch nicht vollständig eingerichtet, geschweige denn, orientiert oder Anschluss an das hiesige Sozialleben gefunden.


Das ist ein ganzer Happen, aber man bekommt Unterstützung. Am zweiten Tag waren zwei junge Damen der Ungarischen Nationalagentur anwesend, die den ganzen Tag für Fragen offen waren und sich sehr hilfsbereit zeigten, z.B. da eine interne Datenbank Faxen macht und damit allen das Leben erschwert (auch die EU ist nicht sicher gegen technische Schwierigkeiten). Die Trainer haben sich gut den ersten Konflikten und Problemen angenommen, die es an einigen Einsatzstellen bereits gibt - und seien es nur Missverständnisse und Sprachhürden. Für das Training selber ist es immer wieder verwundernd, wie man durch dieses geschlossene, fast schon gedrillte Setting aus dem eigenen Leben gerissen wird, und das geht praktisch allen so. Damit ist es am Ende recht leicht, sich mit anderen Freiwilligen zu verbinden, und sei es der Zimmergenosse oder nicht. Der Socialzing-Part wird auch durch das offizielle Programm unterstützt: viel (recht privater) Zweier- und Dreier-Austausch, Feiern, gemeinsames Kochen etc.

Am Anfang ist's fast immer Mist, aber der Austausch hilft. Es sind fast alle früher oder später deprimiert und in einer Krise (freuen uns natürlich schon auf das Wintertief) und haben mitunter ähnliche Erfahrungen gemacht, das verbindet und es erleichert. Der Austausch gibt auch eine andere Perspektive und gibt den Dingen Dimensionen: Wie gut die eigene Wohnung ausgestattet ist, wie hilfsbereit die Leute an der Einsatzstelle sind, wie der Einsatzort gelegen ist etc.

 
(C) Esdra